Suche

Mit Fantasie und Einsatz für Lebensqualität im Alter

Meldung vom 01.02.2021

Ideenwettbewerb „Lebenswerte Kommune – Senioren mittendrin“ kürt zehn Gewinner

Ideenwettbewerb - Senioren mittendrin

Wenn es um die Möglichkeiten aktiver Teilhabe älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger in ihren Heimatkommunen geht, mangelt es im Landkreis Ebersberg nicht an Kreativität und Elan. Das zeigt der Ideenwettbewerb „Lebenswerte Kommune – Senioren mittendrin“. Durchgeführt hat ihn die Projektgruppe „Demenz“ der Gesundheitsregion plus im Landkreis Ebersberg. „Die für den 14. Januar geplante öffentliche Würdigung der zehn Preisträger müssen wir pandemiebedingt verschieben, aber wir werden ihre Projekte als Anregung zum Nachmachen und für einen kommunenübergreifenden Austausch demnächst auch in einer Broschüre und im Internet vorstellen“, so Projektgruppenleiterin Elfi Melbert, Leiterin der Betreuungsstelle im Landratsamt Ebersberg.

„Die vielen Beiträge aus dem Landkreis zeigen, dass wir auf einem guten Weg für eine bessere Teilhabe im Alter sind. Es ist schön, dass die Preisträger und nicht nur sie älteren Menschen eine aktive Teilhabe am Leben in ihrer Heimatgemeinde ermöglichen“, so Landrat Robert Niedergesäß bei der „Preisübergabe“, die corona-bedingt schriftlich erfolgen musste.

Bestehende örtliche Initiativen landkreisweit bekanntmachen, Menschen vernetzen, den Blick von Bürgerschaft und Kommunen darauf lenken, wie Seniorinnen und Senioren am Leben in ihren Gemeinden teilnehmen können und dabei – in Zukunft vielleicht noch umfassender - unterstützt werden können: Darauf lag der Fokus des im Herbst 2020 ausgerufenen und zum Jahresende ausgewerteten Ideenwettbewerbs „Lebenswerte Kommune – Senioren mittendrin“. Der Wettbewerb unter der Schirmherrschaft von Bayerns ehemaliger Sozialministerin Christa Stewens hat Covid-19 getrotzt. „Für Pandemieverhältnisse waren wir mit der Teilnahme sehr zufrieden“, beurteilt Melbert die Resonanz auf den am Welt-Alzheimertag, dem 21. September 2020, gestarteten Ideenwettbewerb. „Ganz untergegangen sind kleinere Aktionen von Vereinen und Verbänden, weil diese sich derzeit nicht treffen können“, bedauert sie. Gleichwohl würde an den Beispielen der sich das Preisgeld von insgesamt 5000 Euro teilenden Preisträger sichtbar, wie es dank des Einsatzes einzelner oder vieler Menschen gelingen könne, älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein Leben mitten in der Gesellschaft und nicht an deren Rand zu ermöglichen. Intensiv habe sich die Jury von Seniorinnen und Senioren aus Politik, Vereinen, Verbänden und Angehörigen mit den über zwanzig eingereichten Bewerbungen auseinandergesetzt. Bei der Bewertung nach einem Notensystem als Richtschnur wurden unter anderem Schwerpunkte in der Reichweite eines Projektes oder dessen Nachhaltigkeit gesetzt.

Deutlich wurde dabei auch: Die Erfolge der Projekte für die knapp 27.000 Menschen über 65 Jahren im Landkreis Ebersberg (Stand: 31.12.2019) stehen und fallen mit den Beteiligten und deren Einsatz. Die vielen Gesichter bei der Unterstützung von Seniorinnen und Senioren sind überall im Landkreis zu finden: Von alle Generationen ins Boot holenden Einzelpersonen wie Seniorenbeirat William Lord in Anzing oder das ebenfalls generationenübergreifende Angebot der „Medienwerkstatt für Senioren“ des Seniorenbeirats der Stadt Ebersberg und der Grund-und Mittelschule Ebersberg über die wöchentlichen Corona-Briefe der Seniorenrunde in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Markt Schwaben und die auch seelische Bedürfnisse abdeckende Unterstützungspalette „Beieinander/Miteinander“ der Seniorenarbeit der Katholischen Pfarrei St. Ägidius in Grafing bis zu gleich zwei für Seniorinnen und Senioren arbeitenden Vereinen in Zorneding reicht allein unter den Preisträgern des Wettbewerbs eine bunte, kreative Palette unterschiedlichster Angebote für ein inklusives Miteinander und damit mehr Lebensqualität - nicht nur älterer Menschen. Grundsätzlich offen für jedermann ist zum Beispiel das Kirchen-Café der Nachbarschaftshilfe Moosach in den barrierefreien Räumen des Pfarrverbandes Moosach. In der bürgerschaftliches Engagement groß schreibenden kleinen Gemeinde bei Grafing ist unter anderem auch der Kulturkreis Moosach sehr aktiv. Er zählt mit seinem Projekt alljährlich zur Adventszeit „Staade Lesung“ zu den Preisträgern des Wettbewerbs, ebenso wie der Seniorenbeirat Markt Schwaben mit seiner jährlichen Mai-Andacht für Rollstuhl- und Rollatorfahrer. „Dort, wo gute Nachbarschaften bestehen, ist das Leben insgesamt etwas besser, weil der Blick auf Bedürfnisse durch die gute Vernetzung ausgeprägter ist“, so Melbert.

„Wir konnten den Bewerbungen zudem entnehmen, dass es auch dort besonders gut läuft, wo sich Vereine gebildet haben“, sagt sie. Vereine seien oft politisch tätig und wirksam, seien in den Kommunen sehr gut vernetzt und bekämen von ihren Mitgliedern viele Rückmeldungen zu ihrer Arbeit. Beispiele dafür seien etwa der Zornedinger Förderverein Sport & Kultur mit seinen vielen gefächerten Angeboten für ältere Menschen oder der nicht minder aktive und auch sehr breit aufgestellte Verein „Das Alter Erleben in Zorneding“. „Unsere Angebote sind sehr differenziert, sie richten sich nicht nur an die Fitten“, sagt 1. Vorsitzender Johannes Schott. Seit mehr als 25 Jahren sei der rund 300 Mitglieder starke Verein mit seinen bis auf wenige Ausnahmen kostenlosen Angeboten offen für jedermann - „für alle Zielgruppen und möglichst viele Gesundheitszustände.“ Mit zunehmendem Alter gewinne der Wohnort an Bedeutung, weiß Schott, und damit die Frage: „Wo findet man Anschluss?“ Um diesen zu bekommen, ist im ländlichen Raum Mobilität die Grundvoraussetzung. Für sie macht sich der Förderverein Senioren Vaterstetten stark. Ihn haben Mitglieder des Seniorenbeirats Vaterstetten 2019 unter dem Motto „Bürger helfen Bürgern“ ins Leben gerufen, um einen ehrenamtlichen Fahrdienst in Vaterstetten zu realisieren. „Dies ist ein unbedingt notwendiger Dienst an nicht nur älteren Leuten“, sagt Günter Lölkes über das kostenfreie, „auf sehr große Resonanz gestoßene“ Angebot für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen. Nicht nur diese würden von dem Fahrdienst profitieren, sondern auch die ehrenamtlichen Fahrdienstler selbst durch ihren sinnstiftenden Einsatz für und nahe bei den Menschen, betont der 76-Jährige. Niemand solle sich im Alter ausgeschlossen oder isoliert fühlen müssen, betont er und spielt auf den Titel des Wettbewerbs an. Zum rechtzeitigen Hinschauen rät in diesem Zusammenhang Elfi Melbert. Die 52-Jährige hofft, dass der Wettbewerb auch Menschen ihrer Generation im Sinne von Selbstverantwortung und Gestaltung des Lebensalters zum Nachdenken über die Frage anregt: „Was ist, wenn ich nicht mehr kann?“